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Die Bemessung von nachträglich installierten Bewehrungsanschlüssen, insbesondere bei Endverankerungen nahe an Bauteilrändern, stellte Planende bisher vor eine methodische Herausforderung. Je nach angewandtem Bemessungsverfahren – EN 1992-4 (Dübeltheorie) oder EN 1992-1-1 (Stahlbetonbau) – konnte die ermittelte Tragfähigkeit erheblich differieren. Diese Diskrepanz führte zu Unsicherheiten in der Planung. Ein neuer Technischer Report, der TR069, löst diesen Widerspruch nun auf und schafft eine einheitliche und realitätsnahe Bemessungsgrundlage.
Die Herausforderung: Zwei Normen, eine Anwendung, unterschiedliche Ergebnisse
Bei der Bemessung einer Endverankerung mit nachträglich eingemörtelten Bewehrungsstäben führte bislang die parallele Existenz zweier Ansätze zu einer signifikanten Planungsunsicherheit:
Bemessung nach EN 1992-4:
Dieser Ansatz aus der Befestigungstechnik betrachtet den Bewehrungsstab als Dübel. Er berücksichtigt die Versagensart des Betonausbruchs, was insbesondere bei randnahen Verankerungen oder geringen Einbindetiefen zu einer starken Limitierung der aufnehmbaren Last führt. Dieser Ansatz ist sicher, schöpft das Potenzial des Gesamtsystems aber nicht immer vollständig aus.
Siehe auch: Austrian Standards Allgemeine Information zur ÖNORM EN 1992-4
Bemessung nach EN 1992-1-1:
Die Anwendung der Bemessungsregeln für einbetonierte Bewehrung unterstellt ein Trag- und Verbundverhalten, das dem eines von Beginn an einbetonierten Stabes entspricht. Kritische Versagensarten des umgebenden Betons, die bei nachträglichen Anschlüssen relevant sind, werden hier nicht explizit erfasst. Dies kann zu einer rechnerisch deutlich höheren, aber nicht immer realitätsnahen Tragfähigkeit führen.
Siehe auch: Austrian Standards Allgemeine Information zur ÖNORM EN 1992-1-1
Dieser methodische Widerspruch resultierte folglich in einer erheblichen Diskrepanz bei der Ermittlung der Gesamttragfähigkeit. Er stellte Planende vor die Frage, welcher Ansatz für eine sichere und zugleich wirtschaftliche Konstruktion der richtige ist.
Die Lösung: TR069 als einheitliches und realitätsnahes Nachweisverfahren
Um diese Lücke somit zu schließen, wurde der Technische Report EAD 332402-00-0601 (TR069) entwickelt. Er liefert ein vereinheitlichtes Nachweisverfahren für nachträgliche Bewehrungsanschlüsse, das diesem Umstand Rechnung trägt.
Auf Basis umfangreicher Tragfähigkeitsuntersuchungen an Endverankerungen bildet der TR069 das tatsächliche Last-Verformungs-Verhalten realitätsnah ab. Er erfasst den Widerspruch zwischen den bisherigen Methoden, indem er die relevanten Versagensarten, einschließlich des Betonausbruchs, integriert.
Ein wesentlicher Fortschritt: Das TR069 leitete seine Nachweisformeln analog zu den Formeln für einbetonierte Bewehrungseisen im neuen Eurocode 2 (EN 1992-1-1:2023) ab. Damit weist es nach, dass ein nachträglicher Bewehrungsanschluss mit einem entsprechend qualifizierten System das gleiche Sicherheitsniveau und Tragverhalten wie eine einbetonierte Lösung erreichen kann.
Siehe auch:
- European Organisation for Technical Assessment – EOTA Technical Report: Design method for anchorage of post-installed reinforcing bars (rebars) with improved bond-splitting behavior as compared to EN 1992-1-1 TR 069 (August 2025)
- Eurocode 2: Design of concrete structures EN 1992
Praktische Umsetzung mit zugelassenen Würth Injektionssystemen
Für Planende bedeutet die Einführung des TR069 vor allem eines: verlässliche und gleichzeitig nachvollziehbare Bemessungssicherheit.
Würth bietet für diesen Anwendungsfall eine Reihe von Injektionsmörteln, wie den Injektionsmörtel Beton Multi WIT-UH 300, die für eine Bemessung nach TR069 qualifiziert und zugelassen sind. Fachplanende im Bereich Statik und Ingenieurwesen können auf dieser Grundlage nachträgliche Endverankerungen sicher und wirtschaftlich nachweisen, da das Tragpotenzial des Systems auf einer validierten Basis voll ausgeschöpft werden kann.
Für die ausführenden Unternehmen bedeutet dies die Anwendung eines Systems, dessen Komponenten aufeinander abgestimmt sind und eine schnelle und einfache Montage ermöglichen.
Fazit
Der Technische Report TR069 stellt dementsprechend eine entscheidende Weiterentwicklung für die Bemessung von nachträglichen Bewehrungsanschlüssen dar. Er löst eine lange bestehende Diskrepanz und ermöglicht Planern, auf Basis eines einzigen, validierten Nachweisverfahrens sichere und zudem wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.
Für eine projektbezogene Auslegung Ihrer Anschlüsse nach TR069 und die Bereitstellung eines vollständigen Nachweispakets inklusive Zulassungen und Ergebnisblättern stehen Ihnen unsere Ingenieur:innen jedenfalls gerne zur Verfügung.
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